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Glycerin – Warum der „schlechte Ruf“ ein Mythos ist


Kaum ein Inhaltsstoff wird so missverstanden wie Glycerin. Immer wieder liest man: „Glycerin trocknet die Haut aus!“ oder „In trockener Luft entzieht es der Haut Feuchtigkeit!“ Aber stimmt das wirklich? Die kurze Antwort: Nein. Und hier ist warum.


Was ist Glycerin überhaupt?

Glycerin (auch Glycerol genannt) ist ein sogenannter Feuchthaltefaktor (Humectant). Chemisch handelt es sich um einen dreiwertigen Alkohol, der Wasser binden kann. Es kommt natürlicherweise in unserer Haut vor und ist sogar Teil des sogenannten Natural Moisturizing Factors (NMF) – also der Stoffe, die unsere Haut von Natur aus geschmeidig halten.


Ist Glycerin sicher?

Es ist einer der am besten erforschten und sichersten kosmetischen Inhaltsstoffe überhaupt – und wird seit Jahrzehnten in Hautpflege, Medizin und sogar Lebensmitteln verwendet. Untersuchungen im Labor haben gezeigt, dass Glycerin hilft, die natürliche Schutzschicht der Haut stabil zu halten – selbst bei trockener Raumluft. Es verhindert, dass wichtige Hautfette „verhärten“ oder ihre Struktur verlieren [1]

In einer Studie [2] wurde normale Haut zehn Tage lang mit einer Creme behandelt, die 20 % Glycerin enthielt. Das Ergebnis: Die Haut war danach messbar besser mit Feuchtigkeit versorgt. Das wurde mit einem speziellen Messgerät (Corneometer) überprüft. Kurz gesagt: Glycerin verbessert nachweislich die Hautfeuchtigkeit – selbst unter trockenen Bedingungen.


Kann Glycerin tatsächlich meine Haut trockener machen?


Die Behauptung, dass Glycerin die Haut eher trockener macht basiert auf einer vereinfachten Vorstellung:

"Glycerin zieht Wasser an. Wenn die Luft trocken ist, zieht es das Wasser aus der Haut – also trocknet es sie aus."

Das klingt logisch, ist aber in der Praxis nicht korrekt.

Warum diese Theorie nicht stimmt:

  1. Glycerin wirkt in realen Formulierungen – nicht isoliert. In Kosmetikprodukten ist Glycerin fast immer mit okklusiven oder leicht rückfettenden Stoffen kombiniert. Diese Inhaltsstoffe bilden einen feinen, wasserabweisenden Film auf der Hautoberfläche, der verhindert, dass die Feuchtigkeit verdunstet (der sogenannte transepidermale Wasserverlust, kurz TEWL).

  2. Studien zeigen das Gegenteil.Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass Glycerin die Hautbarriere stärkt und die Hydration langfristig verbessert. Es erhöht sogar die Elastizität der Haut [3].

  3. Es ist Teil der natürlichen Hautphysiologie.Unser Körper produziert selbst Glycerin in der obersten Hautschicht. Wäre es „austrocknend“, würde unsere eigene Hautmechanik uns schaden – was biologisch keinen Sinn ergibt.


...Aber wann wird Glycerin doch problematisch?


Obwohl Glycerin grundsätzlich ein sehr gut verträglicher und wirksamer Feuchtigkeitsspender ist, gibt es einige Situationen, in denen es sich auf der Haut nicht optimal anfühlen kann – meist jedoch nicht wegen des Inhaltsstoffs selbst, sondern aufgrund der Gesamtformulierung. Sehr hohe Glycerin-Konzentrationen (etwa über 10–15 %) können sich beispielsweise klebrig anfühlen und kurzfristig ein Spannungsgefühl verursachen. Das liegt jedoch nicht daran, dass Glycerin Wasser „aus der Haut zieht“, sondern daran, dass die Formulierung nicht ausreichend ausbalanciert ist. Gute Produkte kombinieren Feuchthaltemittel wie Glycerin deshalb mit Lipiden und okklusiven Inhaltsstoffen. Denn Feuchtigkeit allein reicht für eine stabile Hautbarriere nicht aus: Wenn einer Pflege Lipide fehlen, kann das gebundene Wasser leichter wieder verdunsten, wodurch sich die Haut trotz Hydration schneller trocken anfühlen kann. In solchen Fällen liegt das Problem also nicht am Glycerin, sondern an einer unvollständigen Pflegeformel. Auch bei stark geschädigter oder irritierter Hautbarriere kann es vorkommen, dass selbst milde Wirkstoffe kurzfristig ein leichtes Brennen verursachen – einfach weil die Haut in diesem Zustand empfindlicher reagiert. Schließlich wird häufig argumentiert, dass Glycerin in sehr trockener Luft Wasser aus tieferen Hautschichten ziehen könnte. Diese Theorie stammt jedoch aus stark vereinfachten Laborbedingungen; in realen kosmetischen Formulierungen und unter normalen Umweltbedingungen spielt dieser Effekt praktisch keine relevante Rolle.



Ein gutes Beispiel für eine ausgewogene Formulierung sind die Produkte von Arkana


Hier wird Glycerin praktisch nie isoliert eingesetzt, sondern immer in Kombination mit hautidentischen Feuchtigkeitsfaktoren, Lipiden und Barrierestärkern. Dadurch entsteht eine Formulierung, die Feuchtigkeit nicht nur anzieht, sondern auch langfristig in der Haut hält.

Viele Arkana-Produkte kombinieren Glycerin beispielsweise mit Inhaltsstoffen wie Hyaluronsäure, Aminosäuren und pflanzlichen Ölen. Diese Komponenten imitieren teilweise sogar den sogenannten Natural Moisturizing Factor (NMF) der Haut und unterstützen so die natürliche Hydratation.

Auch in reinigenden oder vorbereitenden Produkten wird Glycerin bei Arkana gezielt eingesetzt, um zu verhindern, dass die Haut während der Reinigung austrocknet und um ein angenehmes Hautgefühl zu hinterlassen. Das Ergebnis: Glycerin wirkt hier nicht allein, sondern als Teil eines durchdachten Feuchtigkeitsnetzwerks, das die Haut gleichzeitig hydratisiert, beruhigt und die Barriere unterstützt.



Quellen

  1. Mohiuddin, A. K. (2019). Skin care creams: formulation and use. Dermatology Clinical Research, 5(1), 238–271.

  2. Loden, M., & Wessman, W. (2001). The influence of a cream containing 20% glycerin and its vehicle on skin barrier properties. International Journal of Cosmetic Science, 23, 115–119.

  3. Fluhr, J. W., R. Darlenski, and C. Surber. "Glycerol and the skin: holistic approach to its origin and functions." The British journal of dermatology 159.1 (2008): 23-34.

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